Wie alles begann

Im September 2016 zieht Textfokus nach knapp acht Jahren in der Hechtstraße um in ein neues Büro –zusammen mit der edition AZUR, der Grafikerin Nadja Nitsche (n-zwo) und Laura Hilliger. Unser neues Zuhause wird das Zentralwerk in Dresden-Pieschen: ein Areal mit insgesamt 4.000 Quadratmetern Raum für Kunst, Handwerk, Tanz, Theater, Radio und vieles mehr – und mit einem wunderschönen Ballsaal, den man im Übrigen als Kulturpate unterstützen kann. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich hier im Blog den Stand der Dinge dokumentieren. Diese Bilder hier sind ungefähr ein Jahr alt und bei unserem ersten Baustellenbesuch entstanden.

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Trennungsschmerz

27.11.2015

Es gibt so Tage, an denen häufen sich die sprachlichen Kuriositäten. Gestern war wieder so einer. Bei der Durchsicht eines Magazins fand ich drei ganz besondere schöne Silbentrennungen:

Beige-
ordnete

Neon-
azis

Stromer-
zeuger


Fatplastics Fanzine

01.09.2015

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Nicht immer werde ich als Lektor und Texter mit Geld bezahlt. Auch Vinylschallplatten gelten bei Textfokus unter Umständen als harte Währung – vor allem, wenn das Angebot von einem so grundsympathischen Laden wie dem Fatplastics Recordstore in Jena kommt.
Im Schillergäßchen, gleich neben dem beliebten Café Grünowski, haben sich Veiter & Co. hinter 20.000 Einheiten schwarzen Golds verschanzt und halten die Stellung bis zum Untergang der MP3 – eine Mission, die Unterstützung verdient. Der Laden gehört zum Jenaer Elektronik-Label »Freude am Tanzen«, auf dem u. a. die Alben von Feindrehstar, Karocel und Marek Hemmann erscheinen.
Seit Herbst 2014 unterstütze ich Veiter bei der Schlussredaktion des hauseigenen Fanzines, das viermal pro Jahr erscheint.


Art & Wiese Schreibworkshop

11.08.2015

Ranis2015

Wenn man nicht so genau hinschaut, scheint es, als gehe alles seinen gewohnten Gang. Bücher werden geschrieben, verlegt, gekauft und gelesen. Doch der Schein trügt. Immer mehr Akteure konkurrieren um immer weniger Aufmerksamkeit – und gleichzeitig verschwinden die Instanzen, die sich ohne eigene kommerzielle Interessen um die Leser von morgen bemühen. Viele scheint das nicht zu irritieren. Mich irritiert es sehr. Der Gedanke, dass das Interesse an Literatur bei jüngeren Generationen verschwindet, weil alle, die etwas vermitteln könnten, mit sich selbst beschäftigt sind.

Eine bemerkenswerte Ausnahme ist der Lese-Zeichen e. V. mit Sitz in Jena, der seit fast 20 Jahren mit hohem Engagement den literarischen Nachwuchs fördert, u. a. mit dem Workshop „Art & Wiese“, der jedes Jahr im August auf Burg Rains stattfindet. Ich war in diesem Jahr zum achten Mal dabei und leitete gemeinsam mit der Autorin Daniela Danz die Textwerkstatt. 4 Tage lang haben wir mit Schreibenden zwischen 15 und 25 Jahren an Texten gearbeitet, gefeilt, gestrichen, gelacht und leidenschaftlich diskutiert. Und wie in jedem Jahr war es beeindruckend zu sehen, was in so kurzer Zeit entsteht. Und wie in jedem Jahr stellt es sich irgendwann ein, dieses ganz besondere Ranis-Gefühl. Nach einer intensiven Manuskriptdiskussion. Beim abendlichen gemeinsamen Spaziergang. Am Lagerfeuer. Bei der Lesung am Samstagabend. Ein herzlicher Dank geht an Andreas Berner, Ralf Schönfelder, Daniela Danz, sandruschka, Robert Loth und Christian Wöllecke.


Lorem ipsum

15.07.2014

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Spätestens, wenn man von seinen Freunden ein »Lorem ipsum«-Shirt geschenkt bekommt, will man wissen, was es mit der wohl berühmtesten Blindtext-Passage auf sich hat. Und wie blind dieser Blindtext in Wirklichkeit ist. Sicher, inzwischen hat der kreative Gestalter eine große Auswahl und kann, zum Beispiel bei Blindtextgenerator, auch Abschnitte aus Goethes »Werther« oder Trappatonis legendärer Pressekonferenz als Bayern-Trainer mit der gewünschten Zeichen- und Absatzahl generieren. Aber sagt uns das nicht schon viel mehr als ein Blindtext sagen sollte?
Tatsächlich bedeutet auch das lateinisch anmutende »Lorem ipsum« nicht nichts – das fand vor ca. 20 Jahren der Lateinprofessor Richard McClintock vom Hampden-Sydney College in Virginia heraus. Er erkannte in einigen Passagen Zitate aus Ciceros »De finibus bonorum et malorum« (»Vom höchsten Gut und vom größten Übel«, 45 v. Chr.). Vieles spricht dafür, dass die wohl von Setzern collagierte Blindtextpassage nahezu unverändert seit dem 16. Jahrhundert verwendet wird. Sie schafft nicht nur via Letraset im zwanzigsten Jahrhundert den Sprung von den Handpressen in die Werbeagenturen, sondern behauptet sich auch tapfer im digitalen Zeitalter. Was lernen wir daraus: Man kann nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel von einer Sache verstehen. Ignorance is bliss.


»Bücher, die Welten eröffnen«

07.05.2014

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Schon zum zweiten Mal lud das Hygiene-Museum Dresden am 6.5. zum Buchtalk – diesmal zum Thema »Bücher, die Welten eröffnen«. Mit mir im Podium saßen Dresdens charmanteste Buchhändler: Susanne Dagen (Buchhaus Loschwitz), Jörg Stübing (Büchers Best) und Jörg Scholz-Nollau (Lese-Zeichen, leider nicht im Bild).
Die Welt ist riesig und zwanzig Minuten sehr kurz. Daher entschied ich mich für eine Achterbahnfahrt durch Innenwelten aus drei Jahrhunderten: die Tagebücher von Samuel Pepys (gesprochen »Pieps«, Danke Stü!), die Tagebücher von Erich Mühsam und Karl Ove Knausgards ausuferndes Selbsterkundungsprojekt »Min Kamp«, von dem bisher vier Bände auf Deutsch erschienen sind. Passen musste ich bei der letzten Frage von Moderatorin Susanne Illmer. »Mit welchem Autor würden Sie gern einen Urlaub verbringen?« Nachdem ich mal wieder dieses Video gesehen habe, fällt mir die Antwort jedoch nicht schwer: mit Thomas Bernhard auf Mallorca.